Kein Krimi für die Badewanne – Verfilmung mit einer sehr erotischen Romy Schneider

„Le Trio Infernal“ ist ein französischer Filmklassiker aus dem Jahre 1974 mit einer sehr erotischen Romy Schneider. Als freizügige und mörderische Komplizin von Michel Piccoli in der Rolle des skrupellosen und gerissenen Rechtsanwalts Georges Sarret ließ sie ihr altes Sissi-Image weit hinter sich. Dass dieser damals als skandalös empfundene Film auf einem Kriminalroman beruhte, der wiederum einen realen Fall zur Grundlage hatte, dürften die wenigsten wissen. Für den Düsseldorfer Lilienfeld Verlag wurde diese wahre Geschichte über die Gier nach Anerkennung, Luxus und gesellschaftlichen Aufstieg, die über Leichen geht, erstmals ins Deutsche übersetzt. Die Autorin Solange Fasquelle gehört zu den wichtigsten Persönlichkeiten des französischen Literaturbetriebs. Sie ließ anhand der Originalberichte aus der Zeit von 1918 bis 1934 das Treiben des luxussüchtigen und ausschweifenden Mördertrios wieder aufleben.

Im Film geht es vor allem um Erotik und sexuelle „Abarten“ als Kitt der Beziehung zwischen dem zynischen Anwalt Sarret, der ursprünglich griechischer Herkunft ist, und den beiden deutschen Schwestern Philomene und Catherine Schmidt, die in Frankreich Fuß fassen wollen. Dass für die Rolle der Catherine Schmidt ursprünglich Uschi Glas im Gespräch war, mag man sich heute kaum mehr vorstellen. An ihrer Stelle spielte die heute gänzlich unbekannte Mascha Gonska den Part der Catherine Schmidt.

Das Trio will nach oben, und da dies im ehrlichen Stil nicht möglich oder zu beschwerlich ist, begeht es Versicherungsbetrug im großen Stil. Leiche häuft sich auf Leiche, die Ansprüche und auch die Schulden wachsen, und am Ende werden der vermeintlich oberschlaue Advokat und seine nur scheinbar naiven deutschen Helferinnen immer unvorsichtiger. Am Ende muss nur einer unter die Guillotine, während zwei Mitglieder des Trios „nur“ hinter schwedische Gardinen wandern.

Während heutzutage ehrgeizige Politiker ein wenig bei der Doktorarbeit schummeln, um etwas mehr Glanz und Anerkennung zu ernten, beschreitet der Anwalt Sarret ganz andere Wege. Er, der „Neuerer auf dem Gebiet der Leichenbeseitigung“ mittels Schwefelsäure, geht mehrere Schritte weiter, um in der Politik überhaupt Karriere machen zu können, als „gebürtiger Grieche“, wie die Anklage später nicht zu erwähnen vergisst. Während er im Rahmen dieses mörderischen Dreigestirns über weite Strecken als der überlegene Organisator erscheint, der die naiven Dummchen aus Deutschland mühsam in die Spur bekommt, verkehren sich zum Schluss die Rollen. Fasquelle erzählt dies alles mit bewundernswerter Lakonie, die so meilenweit von der Geschwätzigkeit heutiger Krimis entfernt ist, dass man vor Dankbarkeit auf die Knie sinken will.

Wahrscheinlich ist nie spannender über das dröge Thema Versicherungsbetrug geschrieben worden. Nicht nur diejenigen, die den Filmklassiker „Le Trio infernal“ mit der bezaubernden Romy Schneider in Verbindung bringen, sollten diesen schwarzen Klassiker der Kriminalliteratur unbedingt kaufen. Eine ganz heiße Empfehlung. Vielleicht sollte man das Büchlein nur nicht in der Badewanne lesen – wegen der Gedanken an die zersetzende Wirkung von Schwefelsäure.

Solange Fasquelle: Trio Infernal. Lilienfeld Verlag: Düsseldorf 2010. 192 Seiten, 19,90 Euro. ISBN 978-3-940357-20-5.

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