„Warum soll ich ausgerechnet zu Ihnen kommen?“ – Über die neue Verhandlungsmacht der Millenials

Februar 6, 2018

Unternehmen müssen auf die Bedürfnisse der Millenials Rücksicht nehmen. NZZ-Redakteur Dominik Feldges https://www.nzz.ch/impressum/dominik-feldges-ld.1287502 sieht die jungen Arbeitnehmer sogar am Drücker. Die heutigen jungen Arbeitskräfte (ab dem Jahrgang 1980) gehörten der so genannten Generation Y an. Nun wird dieser Generation noch die Gruppe der um die Jahrtausendwende Geborenen hinzugerechnet – die Millenials eben. Die heute 17- bis 37-jährigen stellen je nach Land schon ein knappes Drittel bis über die Hälfte der Werktätigen dar.
„Schon die schiere Größe dieser Gruppe zeigt, dass sie gegenüber potenziellen Arbeitgebern über eine gehörige Verhandlungsmacht verfügt“, sagt der Stuttgarter Personalexperte Michael Zondler vom Beratungsunternehmen CENTOMO http://www.centomo.de. „Doch sie haben auch etwas zu bieten. Nicht nur die Millenials, sondern auch schon die um 1980 geborenen Arbeitskräfte sind mit dem Internet und seinen vielfältigen Möglichkeiten aufgewachsen. Sie stehen unmittelbar vor der produktivsten Phase ihrer beruflichen Karriere und sind im richtigen Alter, um Verantwortung und Führungspositionen zu übernehmen. Aufgrund ihrer lebenslangen Erfahrungen mit dem Internet können sie wie keine andere Generation dabei helfen, dass die Unternehmen den Transformationsdruck aushalten, der mit der Digitalisierung einhergeht.“
Und was macht einen Arbeitgeber für diese Gruppe attraktiv? Millenials, so die NZZ, achten bei der Stellensuche auf verschiedene Dinge. Sie schreiben Sicherheit am Arbeitsplatz groß. Die Bereitschaft zur Weiterbildung ist weit verbreitet. „Millenials zeigen sich loyal gegenüber ihrem Arbeitgeber und wollen ‚ihrer’ Firma treu bleiben. Natürlich ist das keine Einbahnstraße. Denn diese Loyalität muss angefüttert und genährt werden: durch die Möglichkeit zum internen Weiterkommen und über Fortbildungen“, so Zondler.
Außerdem müssen Arbeitgeber die passende Antwort auf die Frage „Warum soll ich ausgerechnet zu Ihnen kommen?“ haben. Denn auch wenn sich eine solche Frage auf den ersten Blick vielleicht sehr keck für ein Bewerbungsgespräch anhört, so steckt doch mehr dahinter, wie die NZZ schreibt. Wer dann mit Platitüden wie „Bei uns können Sie Karriere machen“ oder „Mit uns kommen Sie in der Welt herum“ kommt, hat schon verloren. Die jungen Leute seien viel mehr daran interessiert, im Detail zu erfahren, welchen „höheren Zweck“ eine Firma verfolgt: „Leiste sie beispielsweise einen Beitrag für eine saubere Energieerzeugung oder ein besseres Gesundheitssystem?“
Die Sinnhaftigkeit der eigenen Tätigkeit, flache Hierarchien, die Möglichkeit, wegen der Familie, aus privaten Gründen etc. auch mal eine Auszeit nehmen zu können und vor allem auch ein regelmäßiges Feedback statt des vielleicht einmal im Jahr stattfindenden Mitarbeitergesprächs sind den Millenials wichtig. „Durch die Nutzung sozialer Netzwerke sind sie es gewohnt, sehr schnell eine Rückmeldung auf das zu bekommen, was sie posten. Wenn der Arbeitgeber dann nur einmal im Jahr – im übertragenen Sinne – den Button ‚Gefällt mir‘ drückt und die Arbeit des Mitarbeiters lobt, wird dies als zu wenig empfunden, sagt der CENTOMO-Chef.

Autonomes Fahren und der Wettbewerb um die besten Köpfe

Juni 9, 2017

Das autonome Fahren wird nicht nur die Mobilität revolutionieren. Hierdurch wird auch ein neuer Wirtschaftssektor entstehen: „die sogenannte Passagier-Wirtschaft, die sämtliche Waren und Dienstleistungen im Fahrzeug umfasst“, so die Fachzeitschrift „Elektronikpraxis“ http://www.elektronikpraxis.vogel.de/automotive/articles/613979/. Eine Studie der Intel Corporation und Strategy Analytics zeige, dass sich die ökonomischen Chancen auf bis zu sieben Billionen US-Dollar im Jahr 2050 beziffern könnten. „Unternehmen sollten jetzt über ihre autonome Strategie nachdenken“, so Intel-Boss Brian Krzanich. Und Greg Lindsay von Strategy Analytics ergänzt: „Nicht anders als die Raumfahrt der 1960er Jahre, ist das autonome Fahren ein Ruf in die Welt, um die besten Köpfe für diese Herausforderung zu gewinnen.“
„Das ist eindeutig eine große Herausforderung an Fachkräfte aus verschiedenen Branchen, an der automobilen Zukunft mitzuarbeiten. Neben der Ingenieurseite gibt es einen hohen Bedarf an Experten aus dem Bereich der klassischen IT. Experten erkkennen den größten Bedarf an Informatikern bei den Themen Vernetzung, Datenmanagement und künstliche Intelligenz. Hier sehe ich insbesondere gute Chancen für die deutschen Automobilzulieferer. Sie agieren als Innovationstreiber in ihrer Branche. Ihr Wertschöpfungsanteil am Automobil ist sehr hoch. Außerdem leisten sie einen nicht unbeträchtlichen Anteil der Forschungs- und Entwicklungsausgaben der hiesigen Automobilindustrie. In der Tat benötigen wir für das autonome Fahren und die damit verbundenen gigantischen Veränderungen auch in anderen Wirtschaftsbereichen die besten Talente, die wir in Deutschland und auf den internationalen Märkten finden können“, so der Geschäftsführer des Stuttgarter Beratungsunternehmens CENTOMO http://www.centomo.de, Michael Zondler.
Laut der Studie von Intel und Strategy Analytics werde das autonome Fahren speziell den Transportsektor revolutionieren. So würden künftig bisher existente Fahrerengpässe auf der ganzen Welt wegfallen. Die Experten erwarten, dass die autonome Fahrzeugtechnologie zwar bis 2040 ordentlich an Schubkraft gewinnen werde, der große Durchbruch aber erst bis 2050 erfolgt. Ab diesem Zeitpunkt würden sich dann bis zu sieben Billionen US-Dollar weltweit pro Jahr erwirtschaften lassen, wovon sich rund 43 Prozent durch das Geschäftsmodell Mobility as a Service (MaaS) generieren ließen.
Neben den rein wirtschaftlichen Auswirkungen sehen die Autoren der Studie auch andere positive Veränderungen. So könnten selbst bei einer konservativen Berechnung zwischen 2035 und 2045 bis zu 585.000 Menschenleben durch selbstfahrende Fahrzeuge gerettet werden. Durch das reduzierte Unfallaufkommen ließen sich auch die Kosten der öffentlichen Sicherheit erheblich reduzieren. Und nicht zuletzt die Pendler könnten von der Technologie des autonomen Fahrens profitieren. Laut der Studie könnten durch selbstfahrende Autos bis zu 250 Millionen Stunden pro Jahr an Fahrtzeit eingespart werden. Dies würde wiederum zu einer Reduzierung des Schadstoffausstoßes führen.
„Es gibt sehr viele Menschen, die noch immer eine größere Freude am Fahren als am Gefahrenwerden haben. Die aufgeführten positiven Auswirkungen sind jedoch ernstzunehmende Argumente für die Arbeit an dieser Zukunftstechnologie, die sich nicht so einfach vom Tisch wischen lassen“, meint Zondler.
CENTOMO ist aktuell der einzige Personaldienstleister in Deutschland mit dem klaren Fokus auf die Mobilität der Zukunft. Die Veränderung unserer Mobilität durch Technologie öffnet neue Geschäftsfelder und entwickelt bestehende weiter. Für den Nachwuchs und Profis entstehen dadurch bahnbrechende Optionen. Die Consultants von CENTOMO arbeiten bereits seit 2009 gemeinsam mit der Automobilindustrie am Fahrzeug der Zukunft und besetzen zukunftsweisende Positionen mit Top-Talenten aus aller Welt. So verschafft CENTOMO seinen Mandanten entscheidende Wettbewerbsvorteile.

Medienkunde gehört schon in die Kita

April 28, 2017

„Wir dürfen unsere Kinder nicht den Fake News überlassen, die vor allem über soziale Netzwerke verbreitet werden. Bundesjustizminister Maas versucht nun, dem Hass im Netz mittels eines ‚Netzwerkdurchsetzungsgesetzes‘ Herr zu werden. Dieser Ansatz ist grundsätzlich richtig. Ich plädiere aber zusätzlich dafür, dass schon unsere Kinder in der Kita und später in der Schule durch Medienkunde fit gemacht werden. Sie müssen frühzeitig zwischen einer Nachricht und einer reinen Meinung unterscheiden können. Ihnen muss beigebracht werden, welche Nachrichtenquellen als verlässlich gelten und welche nicht“, fordert der Stuttgarter Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens CENTOMO http://www.centomo.de.
„Plakativ formuliert: Medienkunde ist heute genauso wichtig wie Goethe und Schiller. Denn Fake News stellen inzwischen eine große Gefahr für unsere Gesellschaften dar. Sie gefährden das friedliche Zusammenleben zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und politischer Ansichten und sind eine äußerst negative Begleiterscheinung der Globalisierung, von der unser Land und unsere Wirtschaft an sich total profitieren“, so Zondler.
Maas wolle die sozialen Netzwerke zwingen, rechtswidrige Inhalte schneller als bisher zu löschen. Doch sein Gesetzentwurf werde nun von Juristen, Bürgerrechtlern und der Industrie zerpflückt, wie Die Zeit schreibt. Man ziele auf den Hass, treffe aber womöglich die Meinungsfreiheit. „Man kann Fake News durch Gesetze und Verbote bekämpfen. Doch dies ist ein mühsames Geschäft und packt das Problem nicht bei der Wurzel. Es ist gut, dass die Bundesregierung überhaupt tätig wird und dem Verbreiten von Hetze und Hass Einhalt gebieten will und hierbei die sozialen Netzwerke in die Verantwortung nimmt. Meiner Meinung nach muss es aber zusätzlich darum gehen, schon Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln. Neue Medien wie Mobiltelefone oder das Internet lernen sie ja sowieso schon in einem sehr jungen Alter kennen, oft aber nicht den richtigen Gebrauch. Und auch bei den klassischen Massenmedien wie Presse, Radio, Fernsehen und Film sollten sie in der Lage sein, seriöse von unseriösen Anbietern zu unterscheiden. Wer so frühzeitig im Umgang mit Medien geschult wird, geht später nicht so leicht dubiosen und verschwörungstheoretischen ‚Nachrichten‘ auf den Leim“, meint der CENTOMO-Chef.
Der Welt-Autor Hannes Stein macht das Problem am Beispiel des Mittleren Westens in den USA deutlich: „Wer hier lebt, bezieht sein Weltbild in der Regel von Fox News, ‚Breitbart‘ oder einem der rechten Radiosender, die dort populär sind.“ Dass dies gefährlich sei, habe sich bei den Präsidentschaftswahlen in den Vereinigten Staaten gezeigt, meint der CENTOMO-Geschäftsführer. Dort habe ein Mann gewonnen, der gegen die „Lügenpresse“ zu Felde ziehe, den Freihandel bekämpfe und sein Land nationalistisch abschotten wolle. „Politik, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland sollten das Ziel haben, dass sich so etwas bei uns nicht ereignet. Gemeinsam mit den privaten und öffentlich-rechtlichen Medienanbietern in Deutschland sollte man daher an praxistauglichen Konzepten arbeiten, wie Medienkunde im Kindergarten und in der Schule vermittelt werden kann. Solche präventiven Programme sind wirksamer als nachträgliches Löschen oder Verbote“, sagt Zondler.

Amerika verstehen

April 18, 2017

Amerika zu verstehen ist nach dem Wahlsieg Donald Trumps wichtiger denn je. In Zeitungsartikeln, Büchern, im Fernsehen und im Radio wird oft ein Zerrbild der Vereinigten Staaten geboten – entweder gespeist aus grenzenlosem Hass oder dümmlich-naiver Bewunderung. Dem Arzt und Historiker Ronald D. Gerste, der unter anderem für die Neue Zürcher Zeitung aus Washington berichtet, gelingt das Kunststück, seine Leser auf knapp 200 Seiten vorurteilsfrei zu informieren und gut zu unterhalten. Es muss nicht immer ein fußnotengesättigter Historienschinken sein. Ein gutes Taschenbuch tut’s auch!
Gern schauen wir moralisierend über den großen Teich. Und „The Donald“ bietet auch genügend Angriffsfläche für moralische Erwägungen. Doch Gerste kühlt unsere hitzige Moral schön ab: „Nach einem Präsidenten, der sich in einem Nebenraum des Oval Office von einer Praktikantin einen Blowjob geben lässt und anschließend vor laufender Kamera lügt, und auch nach den posthumen Enthüllungen über das Privatleben John F. Kennedys sind die Erwartungen an den Charakter des ersten Mannes im Staate nicht mehr so hoch wie einst.“
In zehn flüssig geschriebenen Kapiteln widmet sich der Autor den wichtigsten historischen und politischen Fakten. Er beschreibt das Werden der jungen Nation und ihren Weg zur Weltmacht. Nach diesem chronologischen Teil beleuchtet Gerste die drei Säulen der Macht, nämlich das Weiße Haus, das Kapitol und den Supreme Court. In dem Kapitel „Patriotismus und Exzeptionalismus“ schildert er unter dem Schlagwort „America can’t do wrong“ die oft nur schwer erträgliche moralische Überheblichkeit der Amerikaner. Der Unterdrückung der Afroamerikaner, dem Fetisch Schusswaffen, den Bereichen Gesundheit und Bildung sowie dem Lebensgefühl des „American Way of Life“ sind weitere erhellende Kapitel gewidmet.
Amerika ist ein Land eklatanter Widersprüche. Im Gegensatz zu Europa waren die USA in den 1920er bis 1940er Jahre weder anfällig für Faschismus noch für Kommunismus. Es fand keine nennenswerte politische Radikalisierung statt. Im „New Deal“ wurden hingegen riesige Infrastrukturprojekte auf die Schiene gebracht, von denen das Land, dessen Infrastruktur heute teilweise verrottet, immer noch zehrt. Vizepräsident Joe Biden bezeichnete den New Yorker Flughafen La Guardia einmal als Einrichtung der Dritten Welt (in der es wesentlich bessere Flughäfen gibt, wie Gerste ironisch kommentiert). Die Herausforderung in Sachen Infrastruktur ist gigantisch, schreibt der Autor. Hier könnte der 45. Präsident in der Tat „Amerika wieder groß machen“.
Einerseits haben die Amerikaner die maßvolle Beschränkung getroffen, dass ihren Präsidenten nur maximal zwei Amtszeiten zur Verfügung stehen. Andererseits wird die politische Geschichte der USA von einer Linie der Gewalt durchzogen. Zahlreiche Präsidenten wurden ermordet, einige entgingen Attentaten. Zum Vergleich: „Der ranghöchste Politiker in einem demokratischen Deutschland, der von Mörderhand starb, war Außenminister Walther Rathenau im Jahr 1922.“
Am Ende der Lektüre lernt man: Amerika ist nicht besser oder schlechter, sondern anders. Neben großartigen Leistungen in Wissenschaft und Technik und einem insgesamt „glücklichen Händchen“ der politischen Führer im Zweiten Weltkrieg und auch in weiten Teilen des „Kalten Krieges“ finden sich gravierende Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Verkehr und schlimme moralische Verfehlungen gegenüber den Ureinwohnern und den Schwarzen. Und gleichzeitig ein total übertriebener Bohei um Minderheiten im Zeichen der PC. Doch bevor sich zum Beispiel wir Deutschen über den Waffen-Wahnsinn der Amerikaner erregen, sollten wir einen Blick auf unsere deutschen Autobahnen werfen. Hier betrachten tagtäglich Tausende Bürger ihre übermotorisierten Gefährten als eine Art Waffe, die sie gegen andere Verkehrsteilnehmer einsetzen.

Ronald D. Gerste: Amerika verstehen. Geschichte, Politik und Kultur der USA
Klett-Cotta, Stuttgart 2017. 208 Seiten, 9,95 Euro.

„Apokalypse statt Aufklärung“ – Ulrich Wickert über die deutsche Medienlandschaft

März 17, 2017

Zurzeit ist viel von der Krise der Medien die Rede. Auch das böse Wort von der „Lügenpresse“ fällt immer mal wieder. Dabei verfügt Deutschland im internationalen Vergleich über ein hohes Niveau der gedruckten Presse, des Rundfunks und des Fernsehens. „Aus Erfahrung kann ich sagen, das Fernsehen in den USA oder die Zeitungslandschaft in Großbritannien oder Frankreich lässt sich im Großen und Ganzen nicht mit der Qualität der besten deutschen Medien messen“, schreibt der Journalist Ulrich Wickert in seinem schmalen Büchlein „Medien: Macht & Verantwortung“ http://www.hoffmann-und-campe.de/buch-info/medien-macht-verantwortung-buch-8052/.
Eine staatliche Zensur finde in Deutschland nicht statt, wohl aber eine politisch motivierte Personalpolitik – vor allem im Fernsehen. Und aus Machtdenken ändern Ministerpräsidenten immer wieder die Rundfunkgesetze, so im Jahr 2016 die nordrhein-westfälische, sagt Wickert. Aus kommerziellen Gründen laute das Motto der Medien heute leider häufig „Apokalypse statt Aufklärung“. Zu viel Unwichtiges erschlage zuweilen das Wichtige.
Manchmal schweigen die Medien auch zu lange oder verschweigen etwas. Oft geschehe dies in hehrer Absicht. Man wolle den Rechtspopulisten nicht in die Hände spielen, lautet eine häufig gehörte Entschuldigung. Wickert dazu lapidar: „Ein Gauner muss ein Gauner genannt werden“.
Mehr Sachlichkeit und weniger Gutmenschentum würden der Presse gut tun. Der kritische Journalismus, so der Autor, weicht zunehmend dem Betroffenheitsjournalismus. Wickerts Schrift fördert keine sensationellen Erkenntnisse zutage. Ohne sie wäre man nicht unbedingt dümmer. Allerdings liefert der Journalist, der heutzutage vor allem auch als Krimiautor tätig ist, ein paar leicht zu lesende Einsichten über den deutschen Journalismus der Gegenwart. Er ist nicht so schlecht, wie die Verbreiter von Hassbotschaften im Internet glauben machen wollen. Aber er muss um seine Zukunft kämpfen. Vielleicht wird man in 20 oder 30 Jahren voller Neid auf unsere heutige vielfältige Presselandschaft blicken. Denn es steht zu befürchten, dass insbesondere zahlreiche Tageszeitungen nicht überleben werden.
Ulrich Wickert: Medien: Macht & Verantwortung. Hoffmann und Campe Verlag: Hamburg 2016.

Stuttgarter Personalberatung CENTOMO für German Brand Award nominiert

Februar 21, 2017

„Wir sind stolz, dass CENTOMO für den German Brand Award 2017 nominiert worden ist. Unser Team nimmt diese Nominierung gerne an. Wir sehen schon die Nominierung als Bestätigung für unsere Arbeit an. Seit dem Jahr 2009 arbeiten wir an der Seite namhafter Automobilhersteller und Zulieferer am Auto der Zukunft. Zugleich betrachten wir diese Nominierung aber auch als Herausforderung und Chance, mit einer überzeugenden Bewerbung diese Auszeichnung auch zu gewinnen“, sagt Michael Zondler, Geschäftsführer des Stuttgarter Beratungsunternehmens CENTOMO http://www.centomo.de.
„Das German Brand Institute http://www.german-brand-award.com, seine Markenscouts und Expertengremien ermöglichen Unternehmen durch ihre Nominierung die Teilnahme an einem spannenden Wettbewerb. Wir haben nun bis zum 3. März 2017 Zeit, eine coole und emotionale Bewerbung zu kreieren, welche die unabhängige Jury von unserer Arbeit und unserem Team Spirit überzeugt. CENTOMO wurde in der Kategorie ‚Industry Excellence in Branding‘ im Bereich Corporate Services & IT (z. B. Unternehmens- und Personalberatung, Steuerberatung, Rechtsanwälte, Sicherheitsdienste, Hardware und Software, Cloud-Lösungen, IT-Dienstleistungen) nominiert. Jeder kennt die großen und berühmten Marken wie Persil, Dr. Oetker, Coca-Cola, Mercedes-Benz oder Nivea. Sie stehen für das Zeitalter der industriellen Produktion http://www.harvardbusinessmanager.de/heft/artikel/a-621303.html. Wir wollen mit unserer Bewerbung zeigen, dass selbst bei komplexen Technologien Emotionalität möglich ist. Denn erfolgreich, so der Harvard Business Manager, sind nur jene Marken, die starke Gefühle wecken. Ein Auto ist eben nicht nur ein Auto, sondern ein Lebensgefühl. Gerade die Automobilindustrie und ihre Zulieferer und damit auch CENTOMO als Beratungsunternehmen in diesem Segment stehen vor der Herausforderung, die Mobilität der Zukunft und selbstfahrende Autos nicht nur mit der nötigen Rationalität, sondern auch der nötigen Emotionalität zu begleiten und zu gestalten. Dies gelingt vor allem über den Faktor Personal, also Menschen, Denn was gibt es Spannenderes, als gemeinsam mit den Top-Talenten aus aller Welt ein wenig am großen Rad der Mobilität von morgen mitzudrehen?“, so Zondler.

Was tun wird, wenn wir nicht mehr arbeiten müssen?

Januar 30, 2017

„Das E-Auto kostet Zehntausende Arbeitsplätze“ schreibt die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ). Wegen der einfachen Herstellung könne sich das E-Mobil zum „Job-Killer“ entwickeln. Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzt, dass hierzulande etwa 200.000 bis 250.000 Arbeitsplätze mit der Herstellung des Verbrennungsmotors sowie den dazugehörigen Getrieben und Abgassystemen beschäftigt seien. Der Betriebsratsvorsitzende Bernd Osterloh wird von der NZZ mit den Worten zitiert, bei Volkswagen würden 50.000 Menschen in der Produktion von Verbrennungsmotoren arbeiten. Osterloh geht davon aus, dass 30 Prozent weniger notwendig seien, wenn der Konzern nur noch E-Autos produzieren würde.

„Die Automobilindustrie war schon immer Veränderungen unterworfen. Ich halte es nicht für realistisch, dass sich technischer Fortschritt aufhalten lässt, auch wenn damit Arbeitsplatzverluste verbunden sind. Andererseits wird es einen fließenden Übergang geben. Experten gehen davon aus, dass die Produktion von althergebrachten Verbrennungsmotoren, Hybriden und E-Autos über einen längeren Zeitraum parallel stattfinden wird. Dadurch dürften sogar mehr Jobs geschaffen werden. Klar ist aber auch, dass die Jobs in der Motor- und Getriebeproduktion drastisch abnehmen und alle Tätigkeiten, die mit der Digitalisierung zusammenhängen, zunehmen dürften. Man wird dann sehen, ob sich Plus und Minus ungefähr die Waage halten. Dies kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand ernsthaft vorhersagen“, sagt der Personalexperte Michael Zondler vom Stuttgarter Beratungsunternehmen CENTOMO http://www.centomo.de.
Doch nicht nur die Automobilindustrie ist vom technischen Wandel betroffen. Während in der Autoindustrie laut NZZ viele neue Arbeitsplätze in Bereichen wie Elektronik, Sensorik, Software und Antriebssysteme entstehen könnten, geht Professor Birger P. Priddat von der Universität Witten / Herdecke davon aus, dass die zunehmende Automation eine Unmenge an freier Zeit mit sich bringen werde https://www.linkedin.com/pulse/automation-grundeinkommen-und-unmengen-freier-zeit-priddat. Im Silicon Valley werde von der Einführung des Grundeinkommens geträumt. Je stärker die Wirtschaft digitalisiert werde, desto stärker werde sie automatisiert, und die freigesetzten Menschen hätten keine Einkommen mehr aus Beschäftigung und Arbeit. „Wer soll denn sonst alle die wunderbaren digital products and services kaufen? Von welch anderem Einkommen als vom Grundeinkommen?“, fragt Priddat.
Grundeinkommen und Kreativität
Der Autor äußert sich pessimistisch. Er hält es nicht für wahrscheinlich, dass sich die „Grundeinkommensfinanzierten“ kreativen Tätigkeiten widmen würden, während sie nicht mehr arbeiten müssten: „Die freie Zeit dient nicht mehr der kreativen Entwicklung des Menschen, sondern weitgehend dem comfort of life. Weder arbeiten wir noch sind wir kreativ, noch bilden wir uns. Alle Modelle versagen. Es ist kein Zufall, dass die Silicon Valley-Industrie Games und andere elektronische Beschäftigungen anbietet, um die Freizeit der Systemarbeitslosen auszufüllen. Die alten Bildungszivilisationspläne (Marx, Keynes) finden kein Publikum mehr. Es geht heute nicht mehr um die Befreiung oder Emanzipation von der Arbeit, sondern um eine Beschäftigung 2ter Ordnung: um grundeinkommensbezahlte Event-Strukturen. Von Arbeit wie von anderen gesellschaftlichen Anforderungen entlastet, werden Ersatz-Beschäftigungen nötig, um die Entlastungen von Lebenssinn zu kompensieren.“
Laut Zondler müssten sich Politik, Wirtschaft und Gesellschaft frühzeitig mit diesen Zukunftsszenarien oder Utopien auseinandersetzen. „Ich bin 1970 geboren“, so der CENTOMO-Chef: „Ich gehe davon aus, dass dies noch ein signifikantes Thema in meinem Erwerbsleben werden wird. Es könnte sein, dass wir mit einer Hochlaufkurve von ca. 20 Jahren nur noch 30 Prozent der heutigen Beschäftigten benötigen. Es macht mir etwas Sorge, dass bei uns in Europa zum Beispiel durch den Aufstieg der Rechtspopulisten und in den USA durch den Wahlsieg eines Reaktionärs diese wichtigen Zukunftsthemen zurzeit nicht mit der nötigen Ernsthaftigkeit debattieren werden. Stattdessen debattieren wir über eine Mauer zwischen Mexiko und den USA. Ein absurdes Schauspiel!“

Der Manager als Dämon

April 20, 2016

Der sogenannte „Boni-Skandal“ bei VW zeigt wieder einmal: Personalisierungen verkaufen sich medial oft besser als vielschichtige Erklärungsmuster. Doch die derzeitigen Probleme bei Deutschlands größtem Autobauer sind nicht nur auf einzelne Manager wie Martin Winterkorn oder einen „gierigen Vorstand“ zurückzuführen, meint der Personalexperte Michael Zondler.

Die Diskussion über die Boni-Zahlungen an den VW-Vorstand erhitzt die Gemüter. Schnell geraten Manager und andere Führungskräfte unter Raffke-Verdacht. Der Unternehmensberater und Management-Theoretiker Reinhard K. Sprenger hat in der Tageszeitung Die Welt sogar davon geschrieben, dass VW die „Beute der Manager“ sei. In seinem Kommentar kommt Sprenger zu dem Schluss, die „Kartellbrüder von VW“ agierten „mit einer Melange aus Staatsgarantie, IG-Metall-Anbiederung und kriminalisierenden Zieldiktaten“.
„Grundsätzlich halte ich viel vom Faktor Persönlichkeit. Doch ich halte es für zu einfach, wenn man alles, Sieg wie Niederlage eines Unternehmens, nur auf den Faktor Persönlichkeit zurückzuführt. Es ist noch nicht so lange her, da war Martin Winterkorn ein Star und ungekrönter König. Jetzt ist er auf einmal das personifizierte Böse. Das ist mir zu schlicht. Aber in den Medien findet man oft mehr Gehör mit personalisierten Erklärungsmustern. Letztlich projiziert man in Führungsfiguren eine Allmacht hinein, die sie nicht haben“, sagt der Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens centomo http://www.centomo.de.
Kommen etwa nur böse Manager in den Himmel beziehungsweise auf der Erfolgsleiter ganz nach oben? Zondler hält eine solche Sichtweise für abwegig, obwohl sie zurzeit aufgrund des „Boni-Skandals“ bei VW und der Enthüllungen über Briefkastenfirmen in Steueroasen wieder sehr populär sei: „Wer nur über die negativen Eigenschaften des Narzissmus wie Überempfindlichkeit gegenüber Kritik, mangelnde Empathiefähigkeit, Neigung zum Größenwahn etc. verfügt, wird ein Unternehmen langfristig an die Wand fahren. Er landet dann für sein psychotisches Verhalten vielleicht nicht im Knast wie der Schwerverbrecher, wird aber als Unternehmensführer scheitern, weil seine Neigung, sich mit Speichelleckern und Jasagern zu umgeben, zu einem Kontrollverlust führen wird. Ich bin davon überzeugt, dass viele Manager und insbesondere auch Unternehmer aus dem Mittelstand über eine gehörige Portion positive Eigenliebe verfügen. Sie wollen etwas aufbauen und entwickeln Visionen für ihre Unternehmen, mit denen sie sich nicht nur ein Denkmal für die Nachwelt schaffen, sondern auch etwas Positives für die Mitarbeiter schaffen wollen.“ Eine unersättliche Gier nach Macht und Geld allein reiche nicht aus, um in hochkomplexen Unternehmen ganz nach oben zu kommen.
Ähnlich sieht die der Psychotherapeut Thorsten Kienast https://www.therapie.de/psychotherapie/kienast/. In einem Interview mit der FAZ sagte er, der Zusammenhang zwischen Erfolg in einer Spitzenposition und der Persönlichkeit des Leaders können nicht nur auf „dunkle“ Strategien reduziert werden: „Man darf nicht vergessen, dass sich Leader vieler Toppositionen, die sich längerfristig halten, stetig und auf vielen Ebenen täglich mit viel Transparenz bewähren müssen.“ Ein Hang zum Narzissmus möge ausgeprägter sein als bei Otto Normalverbraucher, aber nicht in einem pathologischen Sinne. Außerdem seien nur etwa dreißig Prozent des Erfolgs durch die Persönlichkeitsstruktur erklärt.

Die neuen Angstbürger

April 1, 2016

Angst ist ein Grundgefühl des Menschen. Sie erfüllt wichtige Funktionen und kann uns in Gefahrensituationen schützen, indem sie als eine Art Frühwarnsystem fungiert. Angst hilft uns, unnötigen Gefahren aus dem Wege zu gehen. Doch wenn die Angst überhandnimmt und über unser Leben bestimmt, dann spricht man auch von einer Angststörung.
Bezogen auf die politische Situation in Deutschland kann man feststellen: Der Puls dieses Landes rast derzeit. Kalter Angstschweiß klebt auf der Stirn dieses Landes. Nicht zuletzt die Wahlerfolge einer vermeintlichen Alternative für Deutschland in drei Bundesländern belegen dies. Und so haben wir es weniger mit besorgten Bürgern oder mit Wutbürgern zu tun, sondern mit Angstbürgern.
Manchmal haben die Menschen Angst vor Phänomenen, die sie aus eigener Anschauung kaum kennen. So liegt der Anteil der ausländischen Bevölkerung an der Gesamtbevölkerung in Sachsen-Anhalt bei unter drei Prozent. Trotzdem oder gerade deshalb, weil Ängste oft irrational sind, hat die Alternative für Deutschland, die nicht unbedingt als ausländeraffin gilt, in diesem Bundesland 15 Direktmandate gewonnen und zieht als zweitstärkste Kraft in den Landtag ein. Laut FAZ bedeutet das 25-Prozent-Ergebnis für die AfD, dass jedes zehnte Parteimitglied es in den Magdeburger Landtag geschafft hat.
Angst als Erfolgsmodell
Wer Ängste mobilisiert, kann also durchaus politisch erfolgreich sein. Dies gilt für rechte Parteien genauso wie für linke, die zum Beispiel Ängste vor sozialem Abstieg schüren. Auch zahlreiche Medien – vor allem im Internet – leben von dem Schüren von Ängsten. Dort wimmelt es dann von Verschwörungstheorien, es droht die Apokalypse oder zumindest der Untergang des Abendlandes, die EU steht vor dem Zerfall, der Dritte Weltkrieg und die Dschihadisten stehen vor der Tür.
Natürlich sind manche Sorgen und Ängste berechtigt. Doch wenn sie – gerade auch von den Medien – überzeichnet und übertrieben werden, dann entsteht eine kollektive Angstneurose. Auch die vermeintlich so nüchterne Bundeskanzlerin versteht sich darauf, den Menschen Angst zu machen. Dabei wäre es doch gerade ihre Aufgabe, pragmatisch und unaufgeregt zu regieren und den Bürgern vielleicht sogar Orientierung zu geben.
In ihrer Regierungserklärung vom 19. Mai 2010 bezeichnete Angela Merkel die Maßnahmen zur Stabilisierung des Euro als „alternativlos“. „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“: Ganz großes Angstkino der Kanzlerin! Ob sie durch den Appell an die Emotionen der Sache einen Gefallen getan hat, steht auf einem anderen Blatt Papier.
Auch Altkanzler Helmut Kohl verstand es, auf der Klaviatur der Ängste zu spielen. Europa sei eine Frage von Krieg und Frieden und unser Schicksal. Frieden und Freiheit hingen von einem geeinten Europa ab. Wer solche bombastischen Worte findet, darf sich nicht wundern, wenn die Bürger angesichts der kleinkrämerischen Diskussionen innerhalb der EU in der Flüchtlingsfrage in Panik geraten.
Angst als Big Business
Doch auch in der Wirtschaft ist Angst längst ein Thema. „Angst als Big Business“ nennt dies der Personalexperte Michael Zondler. Beispielsweise die Autoindustrie nutze bewusst, aber subtil die emotionale Ansprache und gewinne Kunden durch den Verweis auf immer neue Sicherheitssysteme. Am Ende ist der Mensch das einzige Sicherheitsrisiko. Das selbstfahrende Auto bleibt dann unausweichlich.
Medien, die Lebensmittelindustrie, die Pharmaindustrie und Ärzte (Vorsorge als riesiges Geschäftsmodell), Versicherer, Berater, Psychologen, Banken, Parteien, besorgte Eltern etc.: Kein Ort ohne Angst, nirgends.
„Wir leben leider mit deutlich mehr Angst- als Mutmachern“, sagt Zondler, dessen Beratungsunternehmen centomo von Ludwigsburg aus operiert. „Auch wenn die Wirtschaft häufig selber mit Ängsten spielt, ist Angst letztlich Gift für sie. Nehmen wir das Beispiel Zuwanderung. Jeder weiß, dass unser Land auf lange Sicht auf die Zuwanderung qualifizierter Ausländer angewiesen ist. Doch zurzeit legt sich die Flüchtlingsdiskussion wie Mehltau über das Land. Viele trauen sich daher nicht mehr, einer modernen Zuwanderungsregelung das Wort zu reden. In unserem reichen Bundesland Baden-Württemberg liegt die AfD im ersten Anlauf sogar vor der SPD. Vielleicht schafft es nun ein modernes Zukunftsbündnis aus Grün und Schwarz, den Menschen die Ängste zu nehmen und wieder Lust auf Zukunft zu machen.“
Ob Angst etwas typisch Deutsches ist – so gibt es ja sogar den Begriff der „German Angst“ -, ist zweifelhaft. Starke Männer wie Erdogan, Putin oder Trump bedienen das Sicherheitsbedürfnis ihrer Wähler und schüren Panik, wenn es ihnen politisch in den Kram passt. Und beim täglichen Nachrichtenkonsum drängt sich der Eindruck auf, dass wir in recht hysterischen Zeiten leben. Angstbürger sind die neuen Weltbürger – sie sind überall zuhause.

Eine Enttäuschung auf der ganzen Linie – Über die Autobiographie von Peter Scholl-Latour

März 18, 2016

Der Publizist Nicolaus Fest hat seine Rezension der Lebenserinnerungen von Peter-Scholl-Latour mit dem schönen und treffenden Titel „Autobiographie aus dem Offizierskasino“ überschrieben. Es handele sich bei Scholls letztem Buch über ein „Selbstporträt, das nur wenig über ihn verrät“. Die ersten 100 Seiten liest man noch mit Interesse, welches dann auf den letzten 300 Seiten stark abnimmt. Denn der Autobiograph teilt uns wenig über seine privaten Seiten mit, seine Familie, seine Lektüren und Leidenschaften. Man hat den Eindruck, dass er unter dem Druck des Verlages, die zugesagten Erinnerungen abzuliefern, einfach aus seinen bisherigen Werken ein wenig abgeschrieben und ein Sammelsurium zusammengetragen hat. Auch nach der Lektüre bleibt der Mensch Scholl-Latour ein Rätsel. Um noch einmal Fest zu zitieren: „So ist es ein zwiespältiges Buch. Scholl-Latour war ein großer Journalist, ein Chronist vieler Länder, ein Mann. Und nicht zuletzt ein Soldat unter Soldaten. Aber Offizierskasinos sind kein Ort für Reflexionen.“
Scholl-Latour war ein sehr belesener Mann und von Kindheit an eine „Leseratte“, als die er sich selbst bezeichnet. Warum lässt er den Leser nicht an seinen Lesefrüchten teilhaben außer der Bemerkung, dass er Joseph Conrad, Graham Greene, Somerset Maugham, John le Carré und André Malraux schätzt? Er war ein Frauentyp, ein soldatischer Mann. Aber auch hier gibt es keine Indiskretionen, die doch den Reiz mancher Biographie oder Autobiographie ausmachen.
Zu Beginn seines Buches schreibt er: „Die Publikation einer Autobiographie, das verspüre ich auch heute noch, droht einen Schlussstrich zu ziehen unter die schriftstellerische Kreativität“. Vielleicht hätte er sein letztes Werk nicht schreiben sollen. Es enttäuscht auf der ganzen Linie.
Peter Scholl-Latour: Mein Leben. C. Bertelsmann Verlag, München 2015, gebunden, 444 Seiten, Abbildungen, 24,99 Euro.


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